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Wir sind das digitale Gold und wir werden geschürft

Norbert Benz    05.04.2017   Datenverkauf, Privatsphäre, Datenschutz


Im Zeitalter der Digitalisierung ist der Kunde nicht mehr Kunde, sondern ein Rohstoff, der verarbeitet und verkauft wird.

Die Benutzer von Diensten wie Google, Facebook oder Twitter freuen sich darüber, dass diese nützlich sind und erst noch gratis. Als Nutzer einer Dienstleistung halten sie sich für Kunden der entsprechenden Firmen. Das sind sie aber nicht. Die echten Kunden sind die zahlenden Kunden und das sind Unternehmen, die die Daten der Nutzer erwerben, selber verwenden oder weiterverarbeiten und weiterverkaufen. Wer diese Firmen sind, welche Daten sie erhalten und was sie damit machen, erfährt der Nutzer von Google, Facebook, Twitter und Konsorten in der Regel nicht.

Umsatz statt Schutz

Daraus ergeben sich Interessenkonflikte: Der Wunsch des Kunden nach möglichst vielen Informationen trifft auf das Bedürfnis des Nutzers, nicht alles über sich preiszugeben. Lösen muss diesen Konflikt der Anbieter, der zwischen seinen Kunden und seinen Nutzern steht. Damit stellt sich die Frage, in wessen Interesse er handeln wird. Die Antwort darauf ist aus ökonomischer Warte einfach: Im Interesse des zahlenden Kunden. Der Anbieter wird so viele und so sensible Daten sammeln und verkaufen, wie es das Gesetz zulässt und wie es seine Nutzer gerade noch akzeptieren.

Unschön, aber es lässt sich argumentieren, dass die Dienste nicht gratis sind, sondern mit persönlichen Daten bezahlt werden und es sich um ein mehr oder weniger faires Geschäft handelt (wenn man vernachlässigt, dass ein fundamentales Informationsungleichgewicht zuungunsten des Nutzers besteht). Was aber ist davon zu halten, wenn man für eine Dienstleistung bezahlt und trotzdem Daten gesammelt und weiterverkauft werden?

Das Privatleben als offenes Buch

Die Swisscom plant genau das. Sie will Informationen über ihre zahlenden Kunden sammeln, kaufen, bearbeiten und weiterverkaufen. Wer also bei der Swisscom sein Handy hat, im Internet surft, deren TV nutzt und womöglich eine bluewin Mailadresse hat, kann sich ausmalen, was die Swisscom alles über ihn weiss und potentiell Dritten verkaufen wird: Wo er sich zu welcher Tageszeit aufhält, wo er online und offline einkauft, wo er wie lange arbeitet, wann er was im Fernsehen schaut, mit wem er telefoniert, mit welchen anderen Swisscom-Kunden er sich wann trifft und sehr viel mehr. Gemäss Datenschutzgesetz ist das nur zulässig, wenn der Kunde zustimmt. Hier macht es sich die Swisscom einfach: Statt eines Opt-in setzt sie auf ein Opt-out. Wer nicht will, dass seine Daten gesammelt, bearbeitet und verkauft werden, muss dies der Swisscom aktiv mitteilen. Andernfalls akzeptiert er es (weiter unten ein Link, der zeigt, wie man sich dagegen wehrt).

Schöne neue Welt

Die Erosion der Privatsphäre geht also schleichend weiter. Kaum hatten wir uns damit abgefunden, dass Gratisdienste nicht wirklich gratis sind, sondern mit persönlichen Daten bezahlt werden, kommt der nächste Schritt: Sogar wenn wir für Leistungen bezahlen, werden unsere persönlichen Daten gesammelt und weiterverkauft. So lesen diese Firmen in uns wie in offenen Büchern und wissen genau, wann sie uns was zu welchem Preis anbieten müssen, damit wir nicht widerstehen können. Schöne neue Welt, in der profitorientierte Unternehmen mehr über uns wissen, als unsere nächsten Angehörigen.

 

Weiterführende Links: 

Neuer Swisscom-Vertrag: So kann man sich wehren

Die Swisscom sammelt neu Kundendaten nach dem Prinzip Opt-out



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