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Der DAU in der Software-Entwicklung

Markus Häfeli    10.12.2012   Software, Entwcklung , luser


Der dümmste anzunehmende User ist das Schreckgespenst der Software-Entwickler. Wie weit kann und muss er bei der Entwicklung berücksichtigt werden, ohne dass alle User darunter leiden? Ein paar Gedanken zum DAU.

In der IT steht DAU für "dümmster anzunehmender User". Applikationen sollen so programmiert sein, dass ein DAU keinen Schaden anrichten kann (Daten beschädigen, Systemabsturz usw.).

Dumm ist nicht gleich dumm

Dumm ist ein sehr beleidigender Ausdruck. Ein Anwender kann auch einfach nicht sachverständig oder unerfahren sein. Deswegen ist er noch lange nicht dumm. Lassen wir es trotzdem einfach mal bei diesem etwas despektierlichen Ausdruck. Jeder von uns ist in vielen Gebieten ein DAU, deswegen muss niemand beleidigt sein.

Schutz vor dem DAU oder Entwicklung für den DAU?

Für den Software Entwickler ist es ein grosser Unterschied, ob eine Applikation bloss vor einem DAU geschützt werden soll, oder ob sie gleich ganz auf den DAU ausgerichtet wird. Das wird häufig verwechselt.

Zu viel Schutz nervt...

Dialoge in diesem Stil kommen immer wieder vor:
System: Sind sie sicher dass Sie die Daten Löschen wollen?
User:     Ja.
System: Warnung: die Daten gehen dabei verloren. Bestätigen Sie mit OK.
User:     OK.
System: Die Daten wurden nun gelöscht. Es wurde aber noch eine Sicherheits-Kopie angelegt.
User:     (nerv...)

...und schadet der Usability

Wird eine Applikation auf den DAU zugeschnitten, hat das folgende Nachteile:

  • Auch der versierte Benutzer muss diese zusätzlichen Sicherheitsbarrieren überwinden. Die Usability leidet.
  • Prozesse werden komplizierter, aufwendiger und somit wird die Applikation selbst fehleranfälliger.
  • Der DAU kann nicht an der Aufgabe wachsen. Es ist in Ordnung Fehler zu machen, solange diese keine gravierenden Folgen haben. Ein DAU muss nicht ewig DAU bleiben.

Nicht nur in der IT, auch im Alltag

Auch im Alltag treffen wir immer wieder auf Schutzeinrichtungen, über deren Sinn sich streiten lässt. Beispiel: Die neue Absperrung in der Nähe des Spielplatzes, die verhindern soll, dass sich Kinder in ein kleines Bächlein stürzen. Natürlich sind solche Schutzeinrichtungen manchmal sinnvoll - ja sogar zwingend. Es ist auch hier eine Frage des Masses. Kinder sollen lernen, Gefahren zu erkennen und damit umzugehen. Es muss auch kein Mensch gleich 20 Meter in die Tiefe stürzen, um die Gesetze Newtons zu erfahren.

Das richtige Mass

Zurück zur IT: Werden Anwendungen (ob am Computer oder auch sonst im Alltag) auf den DAU ausgelegt, birgt das die Gefahr, dass sich alle Anwender Richtung DAU entwickeln, weil kein Mitdenken mehr erforderlich ist. Der Grundsatz könnte so lauten: Die Benutzerfreundlichkeit einer Applikation ist auf die zu erwartenden durchschnittlichen Fähigkeiten der Benutzer auszulegen. Die Applikation soll sich vor dem DAU schützen - aber sie muss den Benutzer nicht vor sich selbst schützen.



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