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Quo vadis, CentOS?

   14.01.2021   Linux, Open Source, Red Hat
people raise their hands | © Photo by William White on Unsplash

CentOS wird bald der Vergangenheit angehören. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Nutzer.


Fast 17 Jahre liegt das erste Release von CentOS zurück. Die kostenlose, quelloffene Linux-Distribution für Server gilt als stabil und sicher. Red Hat hat den Nachbau seines kostenpflichtigen Produkts Red Hat Enterprise Linux (RHEL) im Jahr 2014 aufgekauft. Seither haben die beiden Produkte friedlich koexistiert. Neben CentOS betreibt Red Hat ein weiteres grosses Community-Projekt für Linux-Distributionen: Fedora. Dabei nimmt Fedora die Rolle des Upstreams ein. Neue Funktionen und Änderungen führt Red Hat zuerst in Fedora ein und lässt einige davon in neue Versionen von RHEL einfliessen. CentOS hingegen war bisher ein nachgelagertes Community-Projekt. Auf eine neue Version von RHEL für bezahlende Kunden folgte wenige Monate später ein neues Release von CentOS – gratis für die Community. 

Am 8. Dezember hat CentOS in seinem Blog eine grundlegende Veränderung für das Projekt angekündigt – mit weitreichenden Konsequenzen für eine grosse Anzahl von Unternehmen, welche die Open-Source-Lösung nutzen. CentOS wird Updates für das aktuelle Release (CentOS 8) Ende 2021 einstellen. CentOS 7 werden sie noch bis zum Ende des Life Cycles 2024 pflegen. Den Nutzern von CentOS 8 wird nahegelegt, auf den relativ jungen Dienst CentOS Stream zu migrieren.

Die Community ist sauer

Die Reaktionen auf die Meldung liessen nicht lange auf sich warten. Hunderte negative Kommentare im CentOS-Blog und auf Social Media sowie eine Petition gegen die geplanten Anpassungen folgten – die Community liess CentOS wissen, was sie vom Entscheid halten. Schliesslich stellte neben der Kompatibilität mit RHEL das Versprechen, Releases zehn Jahre mit Updates (im Fall von CentOS 8 bis 2029) zu versorgen, für Nutzer einen grossen Vorteil dar. Nun brechen sie den langfristigen Support-Zyklus und geben System-Administratoren nur ein Jahr Zeit, um ihre Infrastruktur zu migrieren. Das ist besonders ärgerlich für alle, die auf CentOS 8 migriert haben, in der Annahme, bis 2029 einen stabilen Produktionsserver zu erhalten. Sie sind nun gezwungen, sich binnen Jahresfrist für CentOS Stream zu entscheiden oder es durch andere Distributionen zu ersetzen.

Mehrere Alternativen

Als Rolling-Release-Version nimmt CentOS Stream eine andere Rolle als CentOS 7 und 8 ein. Es befindet sich zwischen der Upstream-Entwicklung in Fedora und der Downstream-Entwicklung in RHEL. Das hat zur Folge, dass die zahlenden RHEL-Nutzer eine ausgiebig getestete, stabile Lösung einsetzen dürfen, während den Community-Mitgliedern eine Rolling-Release-Distribution bleibt. Mit Lenix und Rocky Linux wurden bereits erste Forks angekündigt, die CentOS ersetzen könnten. Letzteres hat Gregory M. Kurtzer, der Gründer des ursprünglichen CentOS-Projekts, angekündigt. Damit will er die nahtlose Kontinuität des Geschäftsbetriebs für Unternehmen, die CentOS 8 einsetzen, weit über das Jahr 2021 hinaus gewährleisten.

Wie weiter?

Bei aspectra ist sowohl CentOS als auch RHEL im Einsatz. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen verzichten wir momentan darauf, CentOS in neuen Umgebungen einzusetzen. Möglichkeiten von CentOS auf RHEL zu migrieren sind bereits vorhanden. Für Kunden mit nicht-produktiven Umgebungen wollen wir aber auch in Zukunft eine kostenlose Lösung anbieten, die sicher und stabil ist. Deshalb beobachten wir genau, wie sich Alternativen wie Lenix und Rocky Linux entwickeln.

Mehr dazu erfahren Sie demnächst im aspectra-Blog.




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